Worunter Mitarbeiter leiden

Es ist nicht immer leicht, Pastor zu sein. In Gesprächen mit Pastoren zeigen sich immer wieder ähnliche Muster von Herausforderungen, Entmutigungen und Gefahren. Ähnliches gilt auch für die Mitarbeiter in den Gemeinden. Auch ihre Klagen drehen sich oft um die immer wieder gleichen Probleme, die es anscheinend in vielen Gemeinden gibt. Im Folgenden sind diese häufig vorkommenden Nöte der Mitarbeiter in einigen Punkten zusammengefasst. Abgesehen davon, dass es notwendig ist, an den entsprechenden Stellen Änderungen vorzunehmen, kann die Liste auch dazu dienen, für die Mitarbeiter und die Gemeindeleitung gezielt zu beten. Auf keinen Fall sollten Menschen, die Jesus und die Gemeinde lieben und sich gerne einsetzen, über längere Zeit unter diesen hier aufgeführten Dingen leiden. Das ist nicht nötig und das wäre nicht fair.
 

1. Die Pastoren haben zu wenig Zeit

In großen Gemeinden kann nicht jeder Mitarbeiter regelmäßig in Ruhe mit dem hauptverantwortlichen Pastor reden. Trotzdem wünschen sich eigentlich alle Mitarbeiter den direkten, persönlichen Kontakt zu ihrem Pastor. Wenn die Mitarbeiter dann auch noch beobachten, dass sich ihr Pastor für einfache Gemeindebesucher mehr Zeit nimmt als für sie, dann schmerzt sie das.

 

2. Der Mitarbeiter weiß nicht genau, was von ihm erwartet wird

Die Pastoren haben meist konkrete Erwartungen an ihre Mitarbeiter. Aber nicht immer gibt es eine schriftliche Beschreibung der verschiedenen Aufgabenbereiche – oder die Pastoren erwarten eigentlich etwas anderes, als was in dieser Beschreibung steht. Das führt dann zu unerfüllten Erwartungen der Pastoren und zu Irritationen bei den Mitarbeitern, die dachten, sie hätten ihre Aufgabe erfüllt.

 

3. Sehnsucht nach einer großen Vision

Manchmal wissen die Mitarbeiter gar nicht, was die Vision ihrer Gemeinde und der Pastoren ist. Oft liegt das daran, dass die Pastoren ihre Vision verloren haben. Für Mitarbeiter ist es schöner, wenn sie an der Seite von Pastoren arbeiten können, deren Vision sie ständig herausfordert und motiviert.

 

4. Mangel an Freundschaften, besonders auch unter den Mitarbeitern

Ich bin eher introvertiert, doch selbst ich bin immer wieder überrascht, wie viele Gemeindemitarbeiter einsam sind. Oft hat man in der Gemeinde zwar viele Bekannte, aber keine Freunde. Die Familien der Mitarbeiter besuchen sich gegenseitig nur selten. Wenn die Gemeinde dann auch noch durch stürmische Zeiten geht, dann ist die Beziehung zwischen den Mitarbeitern teilweise eher angespannt als freundschaftlich.

 

5. Isoliert im eigenen Dienstbereich

Mitarbeiter, die einen Bereich leiten, haben oft eine große Leidenschaft für ihre Aufgabe. Was für den einen die Arbeit unter Studenten ist, das ist für den anderen der Lobpreis oder der Kinderdienst. Meist gibt es in einer Gemeinde nur wenige Personen, welche die gleiche Begeisterung für ein Thema haben. Kaum einer liebt die Studenten so sehr wie der Leiter der Arbeit unter den Studenten, und nur wenige verstehen, warum sein Dienst ihm so wichtig ist. Gott schenkt den Mitarbeitern diese Liebe zu den Personen, für die er sie berufen hat. Gleichzeitig müssen in einer Gemeinde viele Entscheidungen über Termine, Veranstaltungen, Räume etc. getroffen werden, die sich gegenseitig beeinflussen, teilweise auch stören oder in Konkurrenz zueinander stehen. Wenn Pastoren und Sekretärinnen das tun, ohne dass die Entscheidungen ausreichend mit den Mitarbeitern besprochen und aufeinander abgestimmt werden, dann entsteht Einsamkeit. Der Mitarbeiter fühlt sich unverstanden und ist allein mit seiner Liebe zu den Menschen, für die er sich einsetzt und die Gott ihm anvertraut hat.
 

6. Wenn die Finanzen knapp sind

Viele Gemeinden kürzen das Geld, das sie für die verschiedenen Dienstbereiche ausgeben, um mehr Gehälter finanzieren zu können. So bekommen sie zwar mehr Mitarbeiter, können diesen aber nur wenig Mittel zur Verfügung stellen, um ihren Dienst zu tun. Doch wer eine Vision umsetzen will und dabei ständig durch die entstehenden Kosten begrenzt wird, verliert bald die Freude an seiner Aufgabe. So etwas ist frustrierend und ermüdend.

 

7. Zu wenig Gehalt oder andere Zuwendungen

Die Mitarbeiter haben eigentlich immer Freude an ihren Aufgaben in der Gemeinde. Aber viele wissen nicht, wie sie ihre privaten Rechnungen bezahlen sollen. Gemeindemitarbeiter sind oft unterbezahlt, gemessen an ihren Fähigkeiten und ihrem Einsatz. Hätten sie eine vergleichbare Arbeit außerhalb der Gemeinde, würden sie im Durchschnitt besser verdienen.
 

8. Das Gefühl, nicht gehört zu werden

Manche Mitarbeiter haben den Eindruck, dass sich niemand Wichtiges in der Gemeinde für ihre Ideen oder auch für ihre Bedenken interessiert. Manchmal werden Mitarbeiter dieses Gefühl nicht mehr los, weil es früher so war, selbst wenn es jetzt nicht mehr so ist.

 

9. Wenn man nie sagen kann, wie es einem wirklich geht

Dieses Problem hängt eng mit einigen der vorher genannten Themen zusammen. Wir treffen immer wieder Mitarbeiter aus Gemeinden, die nicht wissen, mit wem sie ganz offen und ehrlich über ihre tiefsten Nöte reden können.

 

10. Mangel an Bestätigung

Lob tut jedem Menschen gut. Aber während manche Pastoren viel und gerne loben, gibt es auch andere, die nur selten daran denken. Doch den Mitarbeitern bedeutet es viel, wenn ihnen ihr Pastor von Zeit zu Zeit anerkennend auf die Schulter klopft. Auch kleine Zeichen der Wertschätzung entfalten langfristig ihre Wirkung und helfen, ein starkes Team aufzubauen. Dazu kann ein öffentlich ausgesprochener Dank zählen, ein gemeinsames Mittagessen, ein kurzer Besuch des Pastors bei seinem Mitarbeiter zu Hause oder eine kleine materielle Zuwendung.

 
11. Der Wettkampf um die Ehrenamtlichen
Jede Gemeinde und jeder geistliche Dienst braucht ehrenamtliche Helfer. Doch deren Zahl ist begrenzt. Nur wenige Gemeinden verfügen über ein gut durchdachtes Konzept, wie sie ihre Gottesdienstbesucher systematisch in die ehrenamtliche Mitarbeit hineinführen können. So herrscht einerseits immer ein Mangel an Helfern, andererseits würden viele Gemeindebesucher gerne mithelfen, wissen aber nicht genau, an wen sie sich wenden sollen, und drittens gibt es für die wenigen offiziellen Ehrenamtlichen viel zu viel Arbeit, sodass sie oft gestresst und überlastet sind.

 

12. Wenn man zu viel sieht und hört

Ich würde diesen Punkt gerne unter den Tisch fallen lassen, aber die Ehrlichkeit verlangt, dass er auch erwähnt wird. Leider kämpfen viele Mitarbeiter insgeheim mit dem, was sie hinter den Kulissen mitbekommen. Da wird gelästert und gespottet, da gibt es Witze und Verhaltensweisen der Pastoren und Leiter, die schlicht nicht christlich sind. Aufrichtige Mitarbeiter leiden sehr unter solchen Beobachtungen und tragen dieses Wissen oft wie eine schwere, geheime Last mit sich herum.

 
Ich wünschte, ich hätte mich besser um meine Mitarbeiter gekümmert und wäre ihnen mit mehr Wertschätzung begegnet, so lange ich selbst Pastor war.
Es ist wichtig, dass wir uns Zeit nehmen, für unser Team zu beten. Dabei kann diese Liste helfen. Doch als Pastoren sollten wir uns anhand dieser Liste auch fragen, wo es an der Zeit ist, Dinge zu ändern, um unseren Mitarbeitern das Leben leichter zu machen. Keiner in der Gemeinde sollte eine dieser Lasten tragen müssen, die hier beschrieben wurden. 

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