Was tun, wenn man Dinge verändern will und keiner macht mit?

Viele Christen kennen diese Situation: Uns wird bewusst, dass in unserer Gemeinde oder christlichen Organisation dringend etwas anders werden muss, aber außer uns sieht das keiner. Wir versuchen, darüber zu reden, beißen aber auf Granit. Das kann verschiedene Ursachen haben:
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  • Unser Team interessiert sich nicht für das Thema.
  • Unsere Leiter oder Vorgesetzten sind gegen Veränderung.
  • Die Strukturen in unserer Organisation sind starr und unbeweglich.
Besonders Christen, die Verantwortung tragen, kennen diese Probleme. Natürlich ist es immer richtig, an erster Stelle für solche Dinge zu beten. Gott gebraucht gerne schwierige Umstände, um uns nahe zu kommen. Aber was können wir praktisch tun? Unseren natürlichen Reaktionsmustern sollten wir lieber nicht folgen. Es bringt uns nicht weiter, wenn wir ungeduldig sind, andere kritisieren und ihnen Vorwürfe machen. Also – was tun?
Es gibt mindestens sieben gute Verhaltensweisen, die uns weiterhelfen, wenn wir die Einzigen sind, welche die Notwendigkeit der Veränderung sehen.
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Wir sprechen über unsere Vision.

Wenn jemand eine Vision hat, weckt das Interesse, und manche sind dann auch bereit, sich bei der Umsetzung zu engagieren. Haben wir eine Vision, dann kommen die Leute auf uns zu und die Mittel werden uns zur Verfügung gestellt. Wenn es uns an Geld und an Leuten fehlt, dann mag das daran liegen, dass wir unsere Vision noch nicht klar genug mitgeteilt haben, denn einem Leiter mit Vision folgen die Leute gerne. Wenn unsere Vorstellung mit der Bibel übereinstimmt und einen realistischen Weg in die Zukunft beschreibt, dann werden sich die Leute davon begeistern lassen.
Ist das immer so? Leider nicht, mehr dazu später.
Viele Leiter geben schon auf, bevor sie ihre Vision überhaupt deutlich gemacht haben. Doch man kann es den Leuten nicht übel nehmen, wenn sie sich nicht von einer Idee begeistern lassen, die ihnen keiner mitgeteilt hat.

Es hilft, alle vorhandenen Gründe für eine Veränderung aufzuschreiben.

Auch wenn es für uns selbstverständlich ist, dass manche Dinge anders werden müssen, kann es gut sein, dass andere mit der Situation, wie sie ist, vollkommen zufrieden sind.
Dann ist es ein guter, erster Schritt, wenn wir alle Gründe sammeln, die für eine Veränderung sprechen. Das sollten wir schriftlich tun.
Diese Liste ist nicht für andere bestimmt, wir erstellen sie nur für uns selbst.
Dabei werden zwei Dinge geschehen:
Erstens: Entweder werden wir selbst noch sicherer in unserer Überzeugung, dass die Veränderung wirklich notwendig ist. Oder es kann aber auch sein, dass wir beim Sammeln der Argumente erkennen, dass es nicht genug Gründe gibt, um sich für eine Veränderung einzusetzen. Dann können wir guten Gewissens das Thema fallen lassen.
Zweitens wird diese schriftliche Beschäftigung mit dem Thema dazu führen, dass wir im Gespräch gut vorbereitet sind und sicher auftreten können. Natürlich zitieren wir anderen gegenüber nicht Punkt für Punkt unsere Liste, aber wir haben unsere Argumente parat, während wir mit anderen über die Dinge reden, und die anderen werden über unser gut begründetes Anliegen nachdenken. Vielleicht wird ihnen unsere Argumentation einleuchten oder sie fangen zumindest an, anders über das Thema zu denken.
Es ist immer gut, zuerst Papier und Stift zu nehmen oder sich an den Computer zu setzen und die Argumente zur eigenen Klärung aufzuschreiben.
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Veränderung fängt bei jedem selbst an.

 Es ist normal, dass wir dazu neigen, nur noch den Bereich zu sehen, den wir gerne anders hätten. Aber erfahrene Leiter wissen, dass auch festgefahrene Situationen ihre guten Seiten haben. Sie dienen dazu, dass wir selbst verändert werden.
Wenn sich in unserem Umfeld nichts bewegt, sind das gute Bedingungen für uns, um charakterlich zu reifen und neue Fähigkeiten einzuüben. Wir können die Zeit nutzen, um einen gesunden Lebensstil zu entwickeln und können üben, den anderen in echter, herzlicher Freundlichkeit zu begegnen. Dann werden sie auch eher auf uns hören, wenn wir unser Anliegen vortragen.
Statt die anderen verändern zu wollen, sind wir damit beschäftigt, unsere eigenen Schwächen abzulegen. Das allein führt oft schon zu erstaunlichen Bewegungen in unserem Team.
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Wir können dort anfangen, wo Veränderung möglich ist.

Also fangen wir damit an, uns selbst zu verändern. Alle guten Leiter tun das.
Zusätzlich haben wir meist auch einen eigenen Verantwortungsbereich, in dem sich ohne Mühe etwas verändern lässt. Es macht Sinn, dort anzufangen, statt immer nur gegen die Mauern anzulaufen, die sich nicht einreißen lassen. Warum richten wir nicht unsere Aufmerksamkeit auf das, was geht?
Da hilft es, sich selbst zu fragen: „Was kann ich in meinem Umfeld ändern?“
Oft haben wir einen Bereich, für den wir selbst verantwortlich sind. Dort können wir gute Dinge in Gang setzen.
Aber manchmal gibt es auch keine solchen Bereiche und wir brauchen für jede kleinste Veränderung die Erlaubnis anderer Leiter.
Doch auch dann kann man etwas verbessern. Auch wenn wir nur mit fünf ehrenamtlichen Helfern zusammen einen kleinen Gemeindedienst tun, können wir zumindest damit anfangen, die Umgangsformen in unserem Team zu verbessern. Wir können es uns zum Ziel machen, dass diese fünf Leute ein Maximum an Liebe und Wertschätzung durch uns erfahren. Warum nehmen wir uns nicht vor, in unserem kleinen Team die besten Beziehungen zu entwickeln, die überhaupt vorstellbar sind? Wir können in unserem Bereich alles geben, was nur möglich ist, und vielleicht sogar noch mehr als das.
Das werden andere bemerken und erkennen, dass die Dinge, die wir tun, gut laufen. So wird es ihnen leichter fallen, auf uns zu hören.
Doch vielleicht wird unser vorbildliches Verhalten auch keinem auffallen. Trotzdem werden zumindest die fünf Personen, in die wir uns so investieren, die Veränderung genießen und uns dankbar sein.
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Es ist wichtig, voll hinter unserer Organisation zu stehen, nicht nur öffentlich, sondern auch insgeheim.

Wir sind also zunächst selbst an der Situation gewachsen und haben alles, was in unserer Verantwortung liegt, optimal verbessert.
Aber dann ist da immer noch der Bereich, den wir gerne anders hätten. Die Gefahr ist groß, dass wir gegen die Leiterschaft ankämpfen, die in unseren Augen so verbohrt ist.
Vielleicht sind wir öffentlich zwar leise, aber im vertrauten Rahmen voller Kritik. Im Gottesdienst lächeln wir, doch beim Kaffee wird gehetzt. Das wäre ein großer Fehler.
Integre Personen sind öffentlich nicht anders als privat.
Integrität macht uns vertrauenswürdig und trägt dazu bei, dass wir letztlich doch noch unser Ziel erreichen. Leiter nehmen die Anregungen von den Mitarbeitern, denen sie vertrauen können, ernst, weil diese nicht hinter ihrem Rücken, sondern mit ihnen direkt reden.
Wenn uns an einer anderen Person etwas stört, dann gibt es nur einen richtigen Weg: Wir müssen mit der Person selbst sprechen. Geht das nicht, dann sollten wir auch nicht mit anderen darüber reden.
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Und wenn alles nichts bringt?

Funktioniert diese Strategie immer? Leider nicht.
Aber jede Gemeinde oder sonstige Organisation wäre viel gesünder, wenn sich alle Leute an diese Regeln halten würden.
Doch es kann sein, dass wir all diese Ratschläge befolgt haben und vielleicht auch noch darüber hinausgegangen sind, und trotzdem sind die Veränderungen, die in unseren Augen so wichtig sind, nicht machbar.
An dieser Stelle müssen wir überlegen, welche Möglichkeiten wir haben. Können wir mit den Gegebenheiten leben, auch wenn sich nichts ändern wird? Oder sollen wir weiterziehen? Diese Frage gehört zunächst einmal in unser persönliches Gebet. Erst nach viel Gebet können wir dann, als nächsten Schritt, jemanden zurate ziehen, der erfahren und weise ist, um ihm die Situation zu schildern. Gemeinsam kann man überlegen, was für das Durchhalten und was für den Wechsel spricht.
Lassen sich die Dinge nicht verändern, dann ist es vielleicht nötig, dass wir eine persönliche Veränderung vornehmen.

Wir müssen eine Entscheidung treffen.

Viele Leiter machen den Fehler, an diesem Punkt auf der Stelle zu treten. Sie leiden unter einer grundsätzlichen Unzufriedenheit, ohne eine Konsequenz zu ziehen.
Fragt man sie, wie lange sie mit ihrer Gemeinde schon so unzufrieden sind, dann antworten sie oft „seit Jahren“, oder noch schlimmer, „von Anfang an“. Aber warum sind sie dann immer noch dort?
Es ist so wichtig, dass wir uns nicht vor der Entscheidung drücken. Entweder wir schließen mit der Situation Frieden oder wir gehen.
Bleiben wir, dann müssen wir die Situation annehmen und das Beste daraus machen. In den Bereichen, in denen wir uns einbringen können, geben wir alles und investieren uns so, wie wir es gerne überall sehen würden. Gleichzeitig müssen wir uns im Klaren sein, dass die anderen mit weniger zufrieden sind, als wir uns eigentlich wünschen.
Können wir uns das nicht vorstellen, dann ist es Zeit, in unbekanntes Land zu ziehen. Beides ist besser, als zu bleiben und sich ständig zu ärgern.
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