Was kostet wahre Freundschaft?

Wir gehen oft recht leichtfertig mit dem Begriff der Freundschaft um. Kaum haben wir uns mit jemandem ein paarmal unterhalten, bezeichnen wir ihn als Freund. Auch Arbeitskollegen oder Kontakte in sozialen Netzwerken nennen wir Freunde. Dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden, allerdings laufen wir Gefahr, durch diesen oberflächlichen Freundschaftsbegriff manches von dem zu übersehen, was die Bibel über Freundschaft sagt.

Wer eine wahre Freundschaft mit einer anderen Person eingehen will, der muss so viel Nähe zulassen, dass das eigene Leben mit dem des Freundes zusammenfließt. Freundschaft ist viel mehr als nur ein entspanntes Zusammensein in guten Zeiten. Wahre Freundschaft ist von ihrem Wesen her komplett selbstlos. Sie sucht nicht den eigenen Vorteil oder die eigenen Interessen. Ein Freund liebt den anderen nicht für das, was er bekommt, sondern für das, was er geben kann. Das Ziel einer Freundschaft beschreibt Jesus so: „Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“ (Markus 10,45).

Wissen wir, wie es unseren „Freunden“ geht? In welcher emotionalen Verfassung sie gerade sind? Wie geht es ihnen geistlich? Wenn wir nicht wissen, wie es dem anderen in Bezug auf die Glaubensdinge geht, wenn wir nicht mitbekommen, ob er in Not ist und nichts ahnen von seinen Kämpfen gegen Herausforderungen, dann haben wir nur einen oberflächlichen Kontakt, eine Freundschaft ist das nicht. Vielleicht sind tiefe Freundschaften heute so selten, weil sie wirklich etwas kosten. Also was kostet eine wahre Freundschaft?

Für eine Freundschaft muss man die eigene Komfortzone verlassen.

Unter einer Freundschaft verstehen wir normalerweise, dass wir mit dem anderen zusammen Zeit verbringen und dabei Spaß haben. Und das gehört auf jeden Fall auch dazu. Aber unsere Freundschaft wird dann auf die Probe gestellt, wenn der andere etwas mit uns vorhat oder uns um etwas bittet, das uns keinen Spaß macht. Das ist der Moment, in dem wir unsere eigenen Wünsche beiseiteschieben und den anderen wichtiger nehmen als uns selbst.

„Rechthaberei und Überheblichkeit dürfen keinen Platz bei euch haben. Vielmehr sollt ihr demütig genug sein, von euren Geschwistern höher zu denken als von euch selbst“ (Philipper 2,3).

Vielleicht braucht der andere jemanden, dem er seine Nöte erzählen und seine komplizierte Situation in Ruhe darlegen kann. Oder wir können ihm mit etwas helfen, das für uns selbst ziemlich anstrengend ist. Es kann durchaus unbequem sein, eine Freundschaft zu pflegen, aber wenn wir jemanden als unseren Freund oder unsere Freundin bezeichnen, dann haben wir uns damit auch festgelegt, dem anderen in allen Lebenslagen beizustehen. Dafür müssen wir manchmal auch Dinge tun, auf die wir eigentlich keine Lust haben und unsere Komfortzone herausfordert.

Für eine Freundschaft braucht man Zeit.

Wir sind von Natur aus gesellige Wesen.

„Und Gott, der HERR, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht“ (1.Mose 2,18).

Das war schon vor dem Sündenfall so, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Aber es braucht viel Zeit, tiefe Freundschaften aufzubauen und zu pflegen, anders geht es nicht. Ich bin gerne allein zu Hause, von daher muss ich mich immer besonders aufraffen, um mich mit anderen zu treffen. Aber wir können uns nicht gegenseitig kennenlernen und einander dienen, wenn wir uns nicht begegnen. Natürlich ist es auch möglich, eine Freundschaft zu führen, wenn man weit voneinander entfernt wohnt, aber oft basieren solche Freundschaften auf einer Zeit, in der man sich häufig sehen konnte.

Freundschaft kann unbequem sein.

Wenn man sich zum Kaffeetrinken trifft, zusammen lacht und sich gut versteht, ist es nicht schwer, eine Freundschaft zu pflegen. Aber was ist in den stürmischen Zeiten? Wie verhalten wir uns, wenn wir nicht einer Meinung sind? Wie gehen wir mit den verletzenden Worten um, die der andere unüberlegt ausgestoßen hat? Solche Szenen tun weh und man ist versucht, sich beleidigt vom anderen zurückzuziehen. Das ist die naheliegende Reaktion, aber dabei denkt man nur an sich selbst. Echte Freunde vergeben einander, bringen die Dinge in Ordnung und setzen dann ihre Beziehung fort. Das ist nicht immer leicht, aber es ist die Grundlage von Freundschaft.

Es ist etwas ganz Besonderes, einen Menschen als Freund in seinem Leben aufzunehmen. Es ist ein heiliger Akt und ein großer, verantwortungsvoller Schritt. Wir können nicht wissen, welche Lasten wir uns damit auferlegen, wie viele Opfer wir für diese Person in der Zukunft noch bringen müssen, wie sehr uns dieser Mensch, dem wir unser Herz öffnen, verletzen wird. Deshalb sollten wir unsere Freunde sehr bedacht auswählen, mit viel Überlegung und Gebet. Aber wenn wir mit dem anderen Freundschaft geschlossen haben, dann werden wir ihn in aller Treue lieben, unter allen Umständen und um jeden Preis.

Man muss Nähe zulassen, damit Freundschaft entsteht.

Was hat uns anfänglich an dem anderen fasziniert? War es sein Humor? Sein Intellekt oder seine Kreativität? Seine liebevolle Art, mit seiner Familie umzugehen? Vielleicht hat uns seine Freundlichkeit gefallen oder sein Organisationstalent, vielleicht waren es auch gemeinsame Interessen, die uns zuerst verbunden hatten? Was auch immer es war, am Anfang sahen wir vor allem die positiven Seiten des anderen. Aber solange sich ein Kontakt auf das beschränkt, was man beim anderen mag, ist die Freundschaft nur oberflächlich. Jeder Mensch hat auch seine Schattenseiten und ist mit Herausforderungen konfrontiert, jeder kämpft dagegen an. Eine Freundschaft soll bewirken, dass das Gute in uns zunimmt. Dazu muss die Sünde identifiziert und bekämpft werden.

„Zwei sind besser daran als ein Einzelner, weil sie einen guten Lohn für ihre Mühe haben. Denn wenn sie fallen, so richtet der eine seinen Gefährten auf. Wehe aber dem Einzelnen, der fällt, ohne dass ein Zweiter da ist, ihn aufzurichten! Auch wenn zwei beieinander liegen, so wird ihnen warm. Dem Einzelnen aber, wie soll ihm warm werden? Und wenn einer den Einzelnen überwältigt, so werden doch die zwei ihm widerstehen; und eine dreifache Schnur wird nicht so schnell zerrissen“ (Prediger 4,9-12).

Um einander im Kampf gegen die Herausforderungen dieser Welt beizustehen, muss man voneinander wissen, in welchen Bereichen die Kämpfe stattfinden. Jeder muss dem anderen Einblick in sein Innerstes geben und sowohl die guten, als auch die schlechten Dinge preisgeben. Diese Intimität und dieses Vertrauen bilden die Voraussetzung für eine Freundschaft, und sie beruhen selbstverständlich auf Gegenseitigkeit.

Freunde beten füreinander.

Wer nicht für den anderen betet, ist auch nicht sein Freund. Das klingt etwas hart, aber wie könnten wir nicht für die Leute beten, die wir lieb haben? Gott handelt schließlich auf unser Bitten hin, deshalb ist es natürlich, dass wir ihn um Gesundheit, Weisheit, Versorgung und einen heiligen Lebensstil für unsere Freunde bitten. Gute Freunde beten nicht nur hin und wieder füreinander, sie tun es ständig. Wenn sie an die Nöte des anderen denken, dann treten sie voller Zuversicht und Glauben vor Gottes Thron und bitten um sein Eingreifen.

Freunde haben einander lieb.

Es werden Zeiten kommen, in denen wir den Freund unüberlegt und schwach erleben – und ihm wird es in Bezug auf uns nicht anders gehen. Unfreundlichkeit und Selbstbezogenheit werden auftreten. Doch wenn Gott zwei Personen eine Freundschaft schenkt, dann macht er sie auch fähig, einander zu vergeben und zu lieben, auch wenn sie sich gegenseitig verletzt haben. Das ist nicht einfach und oft schaffen wir das in eigener Kraft nicht. Aber Gott selbst hilft uns, so miteinander umzugehen. Wie Gott uns geliebt hat, so sollen wir auch einander lieben. Dabei denken wir vielleicht manchmal, dass der andere eine solche Freundschaft nicht verdient hat. Das stimmt auch. Doch wir haben Gottes Liebe genauso wenig verdient. Jesus hat uns geliebt – nicht weil wir das verdient hätten – sondern weil er so voller Liebe ist. So sollten wir auch unseren Freunden gegenüber sein – wie behandeln sie nicht so, wie sie es verdient haben – sondern mit der ganzen Liebe, zu der wir fähig sind.

Freundschaft ist nicht leicht, aber der Preis lohnt sich. Es ist ein Geschenk Gottes – eine Art, andere zu lieben, die Jesus uns selbst vorgelebt hat und von der wir in den Evangelien lesen können.

„Niemand liebt seine Freunde mehr als der, der sein Leben für sie hergibt“ (Johannes 15,13).

Jesus war mit den Sündern befreundet, er starb und wurde wieder lebendig, damit wir Gottes Freunde werden können. Wenn wir uns das vor Augen halten und von Jesus lernen, dann können wir auch mit anderen Menschen in wahrer Freundschaft zusammenleben.

Der Artikel ist eine Ableitung von Jen Thorn aus Christianity

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