Warum Entschleunigung wichtig ist

Vier Argumente für Entschleunigung

 Nach einem spannenden Jahr 2019 hab ich mich mit meiner Familie für ein paar Tage in die Schweizer Berge zurückgezogen, um die Geschwindigkeit die unser Leben ausmacht, etwas runter zu fahren. Warum es wichtig ist immer wieder inne zu halten und die Geschwindigkeit zu reduzieren, hab ich in diesem Artikel zusammenzufassen.  

Das Ziel ist nicht Wissen, sondern Veränderung

 „Sie alle, die Gott im Voraus ausgewählt hat, die hat er auch dazu bestimmt, seinem Sohn gleich zu werden. Nach dessen Bild sollen sie alle gestaltet werden, damit er der Erstgeborene unter vielen Brüdern und Schwestern ist“ (Römer 8,29 GNB). 

Gott will, dass wir Jesus ähnlich werden. Wie viel wir wissen, ist ihm egal. Ein Amerikanischer Theologe hat es so ausgedrückt: „Ein Nachfolger Jesu ist ein Lernender, aber nicht im akademischen Sinn, nicht im Klassenzimmer, eher wie ein Lehrling, der von seinem Meister ein Handwerk lernt.

Andere Menschen können wir mit unserem Wissen vielleicht beeindrucken. Aber Gott geht es darum, dass wir seinem Sohn ähnlicher werden. Das ist der eigentliche Grund, warum wir in der Bibel lesen, beten, Jesus anbeten und uns in Kleingruppen treffen. Es geht nicht darum, mehr zu erfahren. Alle geistlichen Aktivitäten sollen dem einen Ziel dienen, dass wir auch so leben, wie Jesus auf der Erde gelebt hat.

„Dann könnt ihr ein Leben führen, durch das der Herr geehrt wird und das ihm in jeder Hinsicht gefällt. Ihr werdet imstande sein, stets das zu tun, was gut und richtig ist, sodass euer Leben Früchte tragen wird, und werdet Gott immer besser kennenlernen“ (Kolosser 1,10 NGÜ).

Es gibt viel zu lernen für uns. Wir müssen Gott, uns selbst, andere Menschen kennenlernen. Das geht nur, wenn wir uns auf den zeitintensiven Prozess einlassen, durch den Gott uns verändern wird. Der Weg ist nicht immer angenehm, oft beschwerlich, besteht aus vielen Versuchen und Fehlversuchen, aber ganz allmählich wird sich doch der Fortschritt einstellen. Echtes Wachstum braucht viel Zeit In unserer Welt dreht sich vieles um Geschwindigkeit. Die öffentlichen Verkehrsmittel können gar nicht schnell genug sein, Computer haben SSD-Festplatten mit schneller Zugriffszeit, das Internet bietet immer höhere Datenübertragungsraten und unterwegs kaufen wir Fast Food. Es gibt Zeitraffervideos und mehrmals täglich scrollen wir schnell durch die Nachrichten in den sozialen Medien. Dabei soll alles ständig immer noch schneller werden. Das wirkt sich auch auf uns Menschen aus. Wir versuchen in allen Bereichen, das Tempo zu steigern und ein immer größeres Aufgabenpensum zu bewältigen. Aber das entspricht nicht der biblischen Sicht. Egal ob wir den Schöpfungsbericht lesen, über Gottes Weg zur Erlösung der Menschheit nachdenken oder uns seine Vorstellungen über unsere geistliche Entwicklung anschauen – Gott scheint es nie eilig zu haben. Vielmehr zeigt sich uns in der Bibel ein Gott, der schier unendlich geduldig ist. Manchmal lässt er sich so viel Zeit, dass die Menschen, die auf sein Eingreifen warten, fast verzweifeln. Von Gott können wir lernen, dass die wirklich wichtigen Dinge Zeit brauchen, um sich zu entwickeln und heranzureifen. Da gibt es keine Abkürzungen. Das gilt leider auch in Bezug auf unser geistliches Wachstum. Auf dem Weg zur persönlichen Heiligkeit gibt es keine Lifehacks, keine Möglichkeiten der Beschleunigung. 

Ziele sind wichtig, aber sie entstehen nicht über Nacht

 Ziele helfen, im Leben das zu erreichen, was uns wichtig ist. Von daher sind sie sehr wichtig. An unseren Zielen kann man erkennen, wie eng wir mit Gott verbunden sind. Auch die Mittel, mit denen wir versuchen, unsere Ziele zu erreichen, hängen davon ab, ob wir mit Gott leben oder nicht. Womit wir unsere Zeit verbringen, hat wiederum viel damit zu tun, mit welchen Mitteln wir unsere Ziele verfolgen. Letztlich bestimmen also unsere Ziele einen beträchtlichen Teil unserer Lebensgestaltung.Gute Lebensziele entwickelt man nicht nebenbei. Meist ist es ein längerer Prozess, bis man herausgefunden hat, was man wirklich will und wie man das erreichen kann. Es ist nicht schlimm, wenn unsere Ziele nicht gleich perfekt sind. Wenn wir mit Gott verbunden sind, während wir unsere Ziele verfolgen, wird er uns helfen, Ziele zu korrigieren, während unser Glaube tiefer wird und wir lernen, immer mehr nach Gottes Vorstellungen zu leben. 

Es braucht Zeit, Dinge lieben zu lernen

 Was man nicht versteht, kann man nur schwer lernen. Wir müssen uns Zeit nehmen, über Dinge nachzudenken und sie auf uns wirken zu lassen. Das gilt für alle Bereiche des Lebens und das ist auch das Problem unserer Kultur. Wir haben den Anspruch an uns und andere, immer schneller zu werden, immer mehr zu leisten und zu wissen. Unter diesen Bedingungen kann man weder richtig lieben noch gut lernen.  

In Gottes Tempo

Langsam ist Gott nicht, auch wenn uns das als modernen Nachfolgern Jesu, die unter ständigem Zeitdruck leiden, manchmal so vorkommt. Gott ist geduldig.

 „Es ist also keineswegs so, dass der Herr die Erfüllung seiner Zusage hinauszögert, wie einige denken. Was sie für ein Hinauszögern halten, ist in Wirklichkeit ein Ausdruck seiner Geduld mit euch“ 2.Petrus 3,9

Es braucht Zeit, bis ein Lehrling die Fertigkeiten seines Meisters gelernt hat. Wer liebt, denkt viel an den Geliebten. Entsprechend wünscht sich Gott, dass in uns die geistlichen Früchte der Geduld und der Liebe reifen.

„Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung“ (Galater 5,22)

Wachsen braucht Zeit. Wenn Gott nicht im Stress ist, können wir uns auch Zeit lassen.Vielleicht sollten wir unter diesem Aspekt auch unsere regelmäßige Zeit mit der Bibel neu bewerten. Eigentlich ist es egal, wie viele Kapitel wir pro Tag lesen. Entscheidend ist doch, dass wir im Text verweilen, darüber nachdenken, uns die guten Gedanken einprägen und die Passagen, die uns wichtig werden wiederholen. Auch das ist natürlich einseitig. Am besten ist es, sich Zeit für die Bibel zu nehmen und trotzdem auch im Text voranzukommen. Oder vielleicht erfordert unsere sich schnell verändernde Welt auch noch ganz andere Herangehensweisen an die Bibel, die wir entdecken und ausprobieren können. Das ist alles zweitrangig. Wichtig ist, dass wir bereit sind, von Gott verändert zu werden. Durch die Beschäftigung mit der Bibel sammeln wir nicht nur Fakten wir lernen, so zu werden, wie Jesus ist. Gerade meine schlecht gewählten Ziele haben mir gezeigt, wie viel ich noch lernen muss und wie weit ich noch von Gottes Maß an Geduld entfernt bin.

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