Neun Fakten über den Holocaust

m Folgenden sind ein paar wichtige Daten und Fakten zusammengestellt, die jeder über den größten Völkermord der Geschichte wissen sollte.

 

 
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Der Begriff „Holocaust“ leitet sich von dem griechischen Adjektiv ὁλόκαυστον (holókauston) ab, das „vollständig verbrannt“ bedeutet. Das Wort wird im Zusammenhang eines vollständig auf Altären verbrannten Tieropfers verwendet. Damit bezeichnet man den Völkermord an den Juden zur Zeit des Nationalsozialismus. Von den Juden selbst wird der Holocaust „Schoah“ genannt, hebräisch ‏הַשּׁוֹאָהha'Schoah, was „die Katastrophe“ oder „das große Unglück“ bedeutet. Seit den Vierzigerjahren verwendeten die Juden in Europa und in Israel diesen Begriff. Das Wort „Holocaust“ verbreitete sich ab 1978 durch die Fernsehserie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß“ zuerst in den USA, dann in vielen anderen Ländern.

 

 
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Der Holocaust begann im Januar 1933, als Adolf Hitler an die Macht kam. Er endete am 8. Mai 1945 mit dem Ende des Krieges. Bei der Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1941 wurde der Völkermord offiziell beschlossen und geplant. Damals wurde die Deportation der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas Richtung Osten organisiert, wo alle vernichtet werden sollten. Zu dem geheimen Treffen hatte der SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich eingeladen, den Hermann Göring schon 1941 mit der Gesamtorganisation der „Endlösung der Judenfrage“ beauftragt hatte. Heydrich hatte vierzehn Staatssekretäre aus verschiedenen Reichsministerien, einen Ministerialdirektor der Reichskanzlei sowie leitende Beamte des Sicherheitsdienstes zu der streng geheimen Konferenz nach Berlin-Wannsee eingeladen.

 

 
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Die Nazis unterschieden zwischen Vernichtungslagern und Konzentrationslagern. Die Vernichtungs- oder Todeslager hatten vor allem den Zweck, die jüdische Bevölkerung auszurotten. Auch Sinti, Roma, politisch Andersdenkende, psychisch Kranke, Homosexuelle und Kriegsgefangene wurden dort in Gaskammern systematisch ermordet. Gefangene, die in Vernichtungslagern ankamen, lebten dort nur noch wenige Stunden. Die meisten Juden wurden in den ersten Jahren des Holocausts zunächst in Konzentrationslager gebracht, wo allerdings auch viele an den Folgen des Hungers, der schweren Zwangsarbeit, an Seuchen und den unmenschlichen Lebensbedingungen starben. Die systematische Ermordung von Menschen in den Vernichtungslagern begann erst 1942 nach der Wannseekonferenz.

 

 
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In den Vernichtungslagern wurden die Gefangenen zunächst erschossen. Doch diese Massenerschießungen waren für die Täter psychisch zu belastend, so gingen die Nazis dazu über, ihre Gefangenen mit Giftgas zu töten. Anfänglich wurden dafür Kohlenstoffmonoxid und Motorabgase verwendet, später dann Zyklon B. In einer Gaskammer konnten mit Zyklon B zweitausend Menschen auf einmal getötet werden. Etwa ein Drittel der Menschen starb dabei sofort, für andere dauerte der Todeskampf bis zu zwanzig Minuten.

 

 
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Der gezielte Bau von Vernichtungslagern mit Gaskammern zur Massenvernichtung eines ganzen Volkes ist in der Menschheitsgeschichte einzigartig. Wer vom „Holocaust“ spricht, denkt vor allem an diese entsetzliche Form des gezielten Mordens in großem Umfang. Vernichtungslager gab es in Auschwitz, Belzec, Chelmno, Jasenovac, Maydanek, Maly Trostinez, Sobibor und Treblinka. In dem Gebiet des von Deutschland besetzten Polens gab es die größten Vernichtungslager, weil dort besonders viele Juden lebten, mehr als in anderen Teilen Europas.

 

 
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In verschiedenen Konzentrations-und Vernichtungslagern führten NS-Ärzte bestialische Menschenversuche durch. Gefangene wurden in Druckkammern gesteckt, Medikamente wurden an ihnen getestet, sie wurden gezielt unterkühlt, man versuchte, die Augenfarbe von Kindern durch Injektionen von Chemikalien zu verändern, viele Operationen wurden ohne Narkose durchgeführt. Besonders berüchtigt war der Lagerarzt im Konzentrationslager in Auschwitz, Dr. Josef Mengele. So berichtete ein Augenzeuge, wie dieser im Rahmen seiner Zwillingsforschung die vierjährigen Zwillinge Guido und Ina am Rücken zusammennähte, um siamesische Zwillinge zu erhalten. Die Kinder litten entsetzlich, bis es ihren Eltern gelang, eine tödliche Dosis Morphin zu besorgen und sie von ihrem Leiden zu erlösen.

 

 
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Während die Juden von den Nazis verfolgt, verschleppt und ermordet wurden, schwiegen die Kirchen in ganz Europa. <die Holocaust-Forscherin Victoria J. Barnett lasse ich unerwähnt, nach meiner Recherche ist sie im deutschsprachigen Raum nicht bekannt und ihre Texte wurden nicht ins Deutsche übersetzt.> Es gab einige Stimmen in der Bekennenden Kirche, die zum aktiven Schutz der jüdischen Mitbürger aufriefen. Ende 1935 schrieb ein Mitglied der Bekennenden Kirche einen Bericht über die alltägliche Verfolgung der Juden im NS-Staat und verteilte ihn an 200 Mitglieder der Bekennenden Kirche. Der Text appellierte an die verantwortlichen Kräfte der Bekennenden Kirche, den Verfolgten zu helfen. Doch die meisten Kirchenführer, die den offenen Konflikt mit dem Naziregime fürchteten, reagierten nicht. Ein Schreiben der Bekennenden Kirche an Hitler im Mai 1936, welches unter anderem die Konzentrationslager verurteilte, führte zu massenhaften Verhaftungen und Verfolgungen von Geistlichen. Dietrich Bonhoeffer, der 1943 verhaftet und 1945 hingerichtet wurde, ist der bekannteste Vertreter der Bekennenden Kirche.

 

 

 
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Die evangelische Kirche in Deutschland hatte 1930 etwa vierzig Millionen Mitglieder, die in achtundzwanzig Landeskirchen unterteilt waren. Dazu kamen noch die freien evangelischen Gemeinden wie die Baptisten und die Methodisten. Die Gesamtheit der evangelischen Kirche in Deutschland sah sich selbst als ein tragendes Element deutscher Kultur und Gesellschaft. Die Unterordnung unter die Staatsgewalt gehörte zum damaligen Bibelverständnis. In den Zwanzigerjahren entstand in der evangelischen Kirche eine Bewegung, die sich später als „Deutsche Christen“ bezeichnete. Deutsche Christen integrierten das nationalistische, rassistische und antisemitische Denken der Nationalsozialisten in ihre Theologie und versuchten, den Protestantismus an die Ideologie des Nationalsozialismus anzugleichen. Ihr Ziel war es, Kirche und Staat theologisch und organisatorisch gleichzuschalten. Als Gegenbewegung entstand 1934 die Bekennende Kirche. In der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 bezog sich die neu gegründete Bekennende Kirche auf die Bibel und auf Jesus. Sie verwarf den Nationalsozialismus und die Lehren der Deutschen Christen als unchristliche Irrlehren.

 

 
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Eine Zahl, die oft erwähnt wird, sind die rund sechs Millionen Juden, die damals ermordet wurden. Das waren 78 Prozent der 7,3 Millionen Juden, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Europa lebten. Außerdem wurden etwa zwei bis drei Millionen russischer Kriegsgefangener ermordet, zwei Millionen Polen, 1,5 Millionen Sinti und Roma, zweihunderttausend Behinderte und politisch und religiös Gefangene, fünfzehntausend Homosexuelle und fünftausend Zeugen Jehovas. Damit liegt die Gesamtzahl der gezielt Ermordeten bei rund zwölf bis Millionen Menschen. 

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